Ein perfektes Spiel

15.06.2006, 12:17 von jovelstefan

Eine meiner Lieblingspassagen im genialen Buch „Fever Pitch“ von Nick Hornby ist jene, in denen Hornby beschreibt, was alles zu einem perfekten Spiel gehört. Ich bekomme zwar nicht mehr alles auf die Reihe, aber folgendes fällt mir noch ein:

Die eigene Mannschaft muss gewinnen (klar).

Die eigene Mannschaft darf nur mit einem Tor Vorsprung siegen, optimalerweise in der Nachspielzeit.

Es muss einen Platzverweis geben.

Viele Tore, am besten 5:4 oder so.

…und noch etliches mehr. OK, das Spiel gestern hatte nicht alles davon. Aber einiges.

Sicher, die Stimmung wäre sicher auch gut gewesen, wenn wir souverän 3:0 gewonnen hätten. Aber so, mit dem Anrennen auf das polnische Tor in der zweiten Halbzeit, mit der gelb-roten Karte für die Polen, mit dem Doppellattentreffer in der 89. Minute und dem Joker-Tor in der Nachspielzeit, so herrschte unglaubliche Euphorie. 67000 Bekloppte (keine Ahnung, wie die Veranstalter die gezählt haben) auf dem Heiligengeistfeld, mehr als im FIFA WM Stadion zu Dortmund, drehen durch und fallen sich in die Arme, schreien, jubeln, tanzen, schwenken die Fahnen. Ich auch. Positive Grundstimmung.

Was außer dem Fussball kann die Massen so bewegen, diese Euphorie verbreiten? Vielleicht noch eine Wiedervereinigung, aber die hat man ja nicht so oft.

Danach Volksfest auf dem Schulterblatt im Schanzenviertel. Und wie schon die letzten Tage, feiern alle zusammen: Deutsche, Brasilianer, Portugiesen, Türken (obwohl nicht dabei), selbst einige Polen feiern den Fussball, die WM, Deutschland und sich selbst.
Nicht die Spiele an sich, sondern genau dieses drumherum ist es, was eine Weltmeisterschaft zu etwas Besonderen macht. Ich liebe es.



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