Rainald Grebe: Global Fish

28.06.2006, 12:25 von jovelstefan

Ein abgefahrenes Buch.

Die Story: Thomas Blume hat gerade sein Abitur mit 1,0 bestanden und will nun in seinen wohlverdienten Abiturienten-Belohnungsurlaub. Aber wohin soll es gehen? Er kann sich nicht entscheiden und mitten in diese Verlorenheit des angebrochenen Ernsts des Lebens flattert ihm ein Angebot für eine Seereise auf einem alten Dreimaster aus dem 19. Jahrhundert.

Was sich zunächst wie ein Abenteuerurlaub anhört, wird zu einer skurrilen Irrfahrt durch die Ozeane, bei dem die Grenzen zwischen Realität, Inszenierung und Fiktion schnell in denselbigen verschwimmen.

Rainald Grebe, den ich vor allem für sein Stück „Dörte“ liebe, macht seinem Namen aller Ehre und hat ein abstruses Werk geschaffen, bei dem man auf jeder Seite denkt „Was für ein krankes Hirn hat sich diesen Scheiß ausgedacht?“ und trotzdem das Buch nicht weglegen kann vor freundiger Erwartung, wie viel bekloppter die nächste Seite denn wird. Und trotzdem hat das Buch Konzept, eine tiefsinnige Story, einen roten Faden.
Man lebt jedes Ereignis, das Thomas Blume wiederfährt hautnah mit, es gibt keine Unterscheidung zwischen Gedanken, Gesprochenem, Geträumten und Gesehenem, jede Regel des Dudens wird über den Haufen geworfen, neue Wörter erfunden, Lautmalerei, nicht enden wollende Sätze das Ganze Buch hat ein rasantes Tempo und PENG ist man auch schon durch mit der grotesken Story. Was braucht ein gutes Buch sonst noch? Eine Liebesgeschichte. Ist drin. Schmerz und Leid. Auch dabei. Ausgeprägte Charaktere. Oh ja. Ein Ende, an dem man denkt „scheiße, warum ist das jetzt zu Ende?“. Jepp. Schwarzer Humor. Zur Genüge.

Ein Buch, das den Geschmack auf eine harte Probe stellt. Entweder man kommt nicht mal bis Seite 30 oder man verschlingt es. Ich hab’s verschlungen.

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1 Kommentar

  1. Pingback von Der Ausweg aus der Spaßgesellschaft | jovelblog | 23.06.2007 20:43

    […] ist unübertroffen, seine Bühnenperformance phänomenal und schreiben kann der Typ auch noch wie Sau. Rainald Grebe spielt am 16.9. im Prinzipalsaal in Münster (Schwarzes Schaf). Und ich will […]