Puh, ist das heiss hier!

02.10.2006, 01:12 von jovelstefan

Der erste Eintrag aus Mexiko, leider erst jetzt, aber ich habe mich schnell an den mexikanischen Rhythmus gewoehnt und war einfach bisher zu faul, was zu schreiben. Aber jetzt geht’s los. Dummerweise noch ohne Fotos, da wir bisher noch keinen Adapter fuer unser Ladegeraet auftreiben konnten und daher unsere Digitalkamera noch nicht eingesetzt haben (Notiz fuer mich: Vor dem naechsten Urlaub Akkus laden und Adapter in Deutschland kaufen).

Wir haben aber schon einen Haufen analoge Fotos gemacht und digitale werde ich dann beim naechsten mal heiss und fettig liefern… Ich fang dann aber mal mit der Anreise am Donnerstag an:

Bis Amsterdam hat alles geklappt, nicht mal die Bahn war verspaetet. Wir also fein eingecheckt und die daemlichste Zeitverschwendung der Welt angegangen: Warten am Flughafen. Um 12.30 sollte es aber losgehen. Sollte. Schon durch den Sicherheitscheck im Wartebereich am Abfluggate kam dann die Durchsage: „…Probleme mit dem Motor…bla…naehere Infos um 13.30 Uhr.“ Na toll. Wir sind dann erstmal zu MacDoof und haben uns ueber die lustigen Durchsagen amuesiert, die sehr regelmaessig erklangen: „Mr Blablub, you are delaying your flight. Please come to Gate X123 immediately! We will proceed to unload your luggage!“ Haha. Wie kann man so daemlich sein und seinen Flieger verpassen, wenn man schon eingecheckt hat. Puenktlich 2 Minuten nach 13.30 Uhr machten wir uns dann in aller Ruhe auf dem Weg zurueck zum Gate, als die Durchsage ertoent: „Passengers Hess and L., you are delaying your flight. Please come to Gate A2 immediately! We will proceed to unload your luggage!“ Tja, die Durchsage um 13 Uhr, dass es jetzt doch schon frueher losgehen kann, hatten wir wohl verpasst. Nach einem Sprint durch den Flughafen und an wild winkenden Stewards und Stewardessen vorbei, haben wir es dann aber noch rechtzeitig geschafft. Und das Gepaeck war auch dabei.

Nach 11 Stunden landeten wir dann in Cancun und fuhren mit dem Bus in die Stadt. Von dort aus mussten wir dann zum Puerto Juarez, von dem aus die Faehre zur Isla Mujeres abfaehrt. Der Weg zum Hafen war ein erster Eindruck vom Transportsystem in Mexiko. Da wir uns das teure Taxi sparen wollten, fuhren wir mit einem „Collectivo“. Das sind Minibusse, die man einfach an der Strasse anhalten kann und die dann ungefaehr in Richtung des Ortes fahren, der mit Farbe auf die Windschutzscheibe gemalt ist. Als einzige Nichtmexikaner wurden wir natuerlich immer von den anderen Fahrgaesten genau gemustert, aber alle haben nett gegruesst.

Wir sind dann auch noch puenktlich zur letzten Faehre um 20 Uhr Ortszeit angekommen und setzten auf die Isla Mujeres, ein paar Kilometer vor der Kueste ueber. Dort hatten wir uns ein Hostel aus dem Lonely Planet ausgeguckt, dass dort als „Club Med“ der Packpacker auf der Insel bezeichnet wurde. Naja. Unser Zimmer war eher eine Gefaengniszelle. Betonboden, eine einzelne von der Decke baumelnde Gluehbirne, ein Ventilator mit Schlag und ein Spiegel. Ach nee, Spiegel doch nicht. Eher spartanisch, das. Dafuer hatten wir das Badezimmer, das wir uns mit einigen anderen teilen mussten, direkt um die Ecke. Badezimmer. Naja. Es war eher eine dreckige Nische mit kaputtem Waschbecken und kalter Dusche. Aber man will ja auch nicht zu viel Luxus von einem Club Med erwarten, nicht wahr?

Es gab aber auch positives: Der Strand von Isla Mujeres war ein absoluter Traum, ein Paradies! Zur Zeit ist Nebensaison, nix los und der Strand ist leer. Weissester Sand, tuerkisestes Wasser und Palmen ueberall. Wir haben uns gleich mal unsere Privatpalme als Schattenspender reserviert und uns eigentlich 2 Tage nicht bewegt. Herrlich! Schatten ist uebrigens dringend noetig, denn hier ist es heiss. Ganz schoen heiss. Aber unter ner Palme geht’s.

Mehr gibt es von der Isla Mujeres auch nicht zu erzaehlen. Obwohl, das besagte Poc-Na Hostel muss ich wenigstens noch relativieren: Das Essen war sehr guenstig und lecker und der dazugehoerige Palmengarten, in dem wir uns abends mit Cuba Libre fuer kleines Geld zugeknallt haben, ist auch wunderschoen.

Gestern dann ein weiteres Transportabenteuer: Von Cancun aus ging es im 2.-Klasse-Bus nach Chiquila. Wir haetten ja auch erste Klasse gebucht, aber leider gibt es nach Chiquila nur die Zweite. Wir stiegen also am Terminal in Cancun in einen ca. 30 Jahre alten, klapprigen Metallhaufen, der sich hier noch Bus nennen darf und uns kam ein Geruch von Huehnern und vergilbtem Stoff entgegen. Die Hoffnung, dass es womoeglich doch etwas schneller geht, als die angekuendigten 3,5 Stunden, haben wir schnell verworfen. Fuer die ersten 10 Kilometer aus Cancun heraus brauchten wir ne knappe Stunde. Das lag einerseits daran, dass an jeder Muelltonne gehalten wurde und Mexicanos mit Einkaufstueten, Eimern mit irgendwas drin und ihrem kleinwuechsigen Anhang zustiegen. Zum andere lag es aber auch daran, dass gerne Leute einsteigen, die einem mal was verkaufen wollten. Ich kam mir vor, wie in einer schlechten Dauerwerbesendung, als ein Mexikaner mit irgendeiner Gesichtcreme in der Hnad in den Bus stellte und spontan 5 Minuten ueber deren Vorzuege einen Vortrag hielt. Danach verteilte er die Cremedoeschen im ganzen Bus und sammelte danach auf dem Weg von hinten nach vorne entweder die Creme oder das Geld fuer die Creme ein. S. bemerkte treffend, dass es sich wohl um einen Aussendienstmitarbeiter im Direktvertrieb handelt. Interessant.

Als wir dann aus Cancun raus waren, ging es zwar etwas zuegiger, aber nicht schnell. Der Highway hat seinen Namen nicht verdient und zu sehen gab es auch immer nur das gleiche: dschungelartiges Gewaechs rechts und links, schnurgerade Strasse vorne und hinten. Alle 15 Minuten mal ein Dorf mit ein paar Huetten. Irgendwann hatten wir es nach Chiquila geschafft (das sind 12 Haeuser, ne Tanke und ein Bootssteg) und S. hatte schon Traenen in den Augen, weil Sie seit ca 2,5 Stunden aufs Klo musste. In den 1.Klasse-Bussen gibt es uebrigens Toiletten. Ueber die Qualitaet der sanitaeren Einrichtung der Tankstelle moege S. dann mal selber berichten. Nach ihrem Besuch dort, habe ich es vorgezogen, noch ein bisschen zu warten…

Also rauf auf den Bootssteg und zur Faehre nach Isla Holbox. Tja, die fuhr erst in 2 Stunden. Aber wir sind ja inzwischen Transporterfahren und entschieden uns spontan, auf das Angebot des netten Mannes einzugehen, der uns (und eine mexikanische Familie) in seinem kleinen Motorboot rueberbringen wollte. Gute Idee, denn es ist recht windig hier und das Meer machte mit dem Boot so seine eigenen Spielchen. Ein geprellter Hintern und ein klatschnasser Stefan waren die Folge. Trotzdem oder gerade deswegen hat es aber einen Heiden spass gemacht.

Auf der Isla Holbox (sprich: Holbosch), die eigentlich eine Halbinsel ist, wurden wir dann von aufsteigenden Flamingos empfangen. Das Oertchen auf der Insel ist eher gemuetlich und nicht wirklich vom Tourismus erfasst. Es soll nen Haufen Voegel geben, was wir auch bestaetigen koennen, und die Kueste soll ein wahrer Tummelplatz fuer Delfine, Rochen, Walhaie und Schildkroeten sein, was ich aber leider noch nicht bestaetigen kann. Mit der Unterkunft haben wir es dieses Mal auch besser getroffen. Wir haben ein nettes Zimmerchen mit mehr als einem Bett als Einrichtung und einem eigenem, sauberen Badezimmer. Von der Ameisenkolonie mal abgesehen, die S. heute mit ihrem Deo in Aufruhr versetzt hat. Die Dusche hat Warmwasser und man kann sich auf die Klobrille setzen, ohne dass einem gleich was abfaellt ;)

Nicht so schoen, wie auf der Isla Mujeres ist allerdings der Strand, der Sand ist nicht so weiss und weich und das Meer ist recht truebe, was aber auch an dem starken Wind liegen kann, der hier reinblaest. Die Atmosphaere ist trotzdem herrlich, da der Ort ein altes Fischerdorf ist und am ganzen Strand ueberall kleine Fischerboote liegen mit Netzen und was man halt so zum fischen braucht.

So, ich muss jetzt los, um den Sonnenuntergang am Strand mit einem Flaeschchen Sol in der Hand zu bestaunen. Morgen geht es ins Inland zur ersten Mayastaette auf unserem Plan, Chichen Itza. Dann auch mit Fotos.



1 Kommentar

  1. holger | 04.10.2006 22:02

    … weiter so, viel Spaß noch in MEX – und den Rückflug nicht verpassen ,-)