Dreht den Spieß um!

27.10.2006, 12:22 von jovelstefan

Im Blog von Handelsblatt-Journalist Thomas Knüwer (Preußen-Fan…) bin ich auf ein Thema gestossen, das in ähnlicher Form fast täglich irgendwie irgendwo auftaucht: Die Verletzung von Urheber-, Persönlichkeits- oder sonstigen Rechten im Internet. In diesem Fall ging es wohl darum, dass der neue immerhin schon fast 10 Monate alte Fußballblog Fanfaktor auf YouTube Videos gepostet hat, die von Fans mit dem Handy im Stadion aufgenommen wurden. Warum verstehen so viele Menschen nicht, dass sie das Internet mit seinen fantastischen Möglichkeiten nicht als Gefahr sehen sollten, sondern als Chance nutzen können?
Na klar, wenn ich Material im Internet anbiete und damit Rechte anderer verletzt werden, ist das zunächst mal illegal. Im Großen Umfang oder mit kommerziellen Hintergrund sogar kriminell. Mit „Material im Internet“ ist im Grunde alles gemeint, was irgendwie für die Sinne zugänglich ist: Musik, Filme, Bilder, Fotos, Texte, Software etc. pp. Eigentlich sollte die Regel ja einfach sein: Alles, was nicht von mir selbst stammt, muss ich vor einer Veröffentlichung prüfen, ob ich es überhaupt veröffentlichen darf. Klar ist z.B., dass man nicht einfach Mitschnitte aus dem TV, neue Kinofilme, Bücher usw. ins Netz stellen darf. Das passiert allerdings immer öfter, weil es eben durch die technischen Fortschritte möglich ist. Das Internet bietet hierfür auch die entsprechenden Tools, als Auswahl seien YouTube, Flickr, eMule, Blogsoftware und Blogdienste genannt. Falls über diese Kanäle rechtlich geschützte Inhalte veröffentlicht werden, ist es natürlich auch legitim, dass die jeweiligen Rechteinhaber (oder deren Vertreter) Maßnahmen dagegen ergreifen. Dass diese Maßnahmen manchmal sehr bizzarre Ausmaße annehmen (z.B. die „Raubkopierer sind Verbrecher“-Kampagne der Filmindustrie) und weit über das Ziel hinausschießen (z.B. Abmahnungen gegen Blogger mit weit überzogenen Streitwerten), wurde und wird ausführlich diskutiert und soll hier jetzt nicht Thema sein.

Viel interessanter ist doch, dass in vielen Fällen die Betroffenen durch eine offenere und positivere Einstellung sogar von dieser Situation profitieren können. So wird doch kaum ein Fußballfan sich die selbstgedrehten Fanvideos anschauen, um sich die Spielszenen des letzten Spiels noch einmal für lau anzuschauen. Es geht eher darum, die Stadionatmosphäre im Fanblock „einzuatmen“, die man in den Fernsehbilden eben nicht so hautnah miterleben kann. Warum dreht die DFL (oder wer immer da die Rechte hat) nicht einfach den Spieß um und schafft auf der eigenen Website einen Bereich, in dem man Fanvideos hochladen kann? Oder eben YouTube-Videos verlinken kann? Damit unterstützt man dann endlich mal die Fankultur anstatt sie immer nur mit den Füßen zu treten.

Warum nutzen die Fernsehsender nicht ihre Webseiten stärker dafür, die Reichweite der Sendungen zu erhöhen und ausgewählte Ausschnitte oder ganze Sendungen im Stream anzubieten? Ich erinnere mich noch gut daran, dass ProSieben die Stromberg-Folgen frei als Stream zur Verfügung gestellt hat (leider jetzt nicht mehr) und damit den Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad von Stromberg immens erhöht hat. Stattdessen wird überall „geprüft“, wie man denn nun die Internetstraftäter verfolgen kann (interessanterweise hat ausgerechnet das ZDF eine überraschend positive Einstellung zu dem Thema, was aber auch an der Diskussion um die geplanten GEZ-Gebühren für Internetrechner liegen könnte). Ein überzeugendes Online-Konzept hat bisher noch kein Sender, obwohl das Beispiel napster für die Musikindustrie und eMule für die Filmvermarkter eigentlich „Vorbild“ genug sein müsste, dass man das Internet Ernst nehmen muss, wenn es in eine (wenn auch schon lange bestehende) Domäne eingreift.

Bitte, bitte, liebe Rechtsverletzten: Bevor ihr wegen einer Verletzung eurer Rechte die Anwälte in Aufruhr versetzt, überlegt doch einfach mal, ob ihr vielleicht die gewonnene Aufmerksamkeit für euch selbst nutzen könnt!



2 Kommentare

  1. björn | 27.10.2006 14:13

    btw: neu ist unser blog nicht mehr, wir sind immerhin schon fast 10 monate alt ;)

  2. jovelstefan | 27.10.2006 14:27

    Korrigiert ;) Sorry. Einen Titel hat der Artikel jetzt auch. Man merkt, das Wochenende naht…