Killerspiele machen Amokläufer

27.11.2006, 14:57 von jovelstefan

Wieder Mal war gestern Abend die Zeit zwischen Tatort (ganz großartig gestern!) und Dittsche zu füllen. So blieb ich bei Frau Christiansen hängen. Thema der gestrigen Sendung: „Randale, prügeln, ‚ballern’– was tun gegen Gewalt?“. Gäste waren Gladiator Ralf Möller, Besserlebenautorin Susanne Fröhlich, ein Erfurt-Amoklauf-Vater namens Harald Dörig, irgendein Hamburger Innensenator und Willy Lemke, von dem wohl die meisten immer noch nicht wissen, dass er nix mehr mit Werder Bremen zu tun hat, sondern schon länger Bildungssenator in Bremen ist.

Da konnte man schon mal nicht so viel erwarten. Zu befürchten war eine oberflächliche Diskussion über Killerspiele und die durchgeknallte Jugend von heute mit nem Haufen Floskeln, Vorurteilen, Vorverurteilungen und Ahnungslosigkeiten. Bingo! Frau Fröhlich löst das Problem durch die Abschaffung von Killerspielen. Überhaupt sind 5% aller Jugendlichen, die vor dem Computer sitzen, durchgeknallte Irre (kurz mal in einer affektierten Geste die Dauerwelle aus dem Gesicht wischen). Und „natürlich schießt auch mal der Gymnasiast!“. Danke, nächster bitte.

Ralf Möller hat inzwischen Probleme mit der deutschen Sprache, grammatikalisch korrekte Sätze sind nicht seine Stärke. Erinnert an Arnie. Welche Redaktion kommt auf die Idee, den in die Sendung einzuladen? Hat sicher nichts damit zu tun, dass er in der Sendung ganz nebenbei seinen neuen Film, seinen privaten Sponsor und seine tolle Aktion in deutschen Schulen unterbringen konnte. Killerspiele sind „Schrott“ und „Dreck“, seine Filme super. Sprachlosigkeit, als er gefragt wird, warum sein neuer Wikinger-Schlächter-Film ab 12 freigegeben sein wird.
Der Hamburger Innensenator blies eigentlich auch nur ins Horn „Killerspiele sind böse!“. Und der Vater aus Erfurt hat schnell vor den Promis und ihrer Oberflächlichkeit kapituliert. Willy Lemke war noch der einzige mit minimalem Durchblick. Er erkannte zum Beispiel, dass ein Verbot von Killerspielen (hab ich schon erwähnt, wie bescheuert dieses Pauschalwort ist?) nicht die Problemlösung darstellt, da schließlich jeder halbwegs Internet-bewanderte Jugendliche in 5 Minuten ein verbotenes Spiel aus dem Internet ziehen könne. Wie wahr. Leider verlor er sich später auch in Politikergeschwafel. Eine Runde von Menschen, die keine Ahnung vom RL haben, aber die Lösung aller Probleme kennen. Puh. Vielleicht hätte es geholfen, mindestens den Abschiedsbrief des Emsdettener Amokläufers zu lesen. Genug Material für eine sachliche Diskussion.

Nach 45 Minuten kann ich das nicht mehr ertragen und schalte zu Dittsche rüber – und siehe da: Das, was Dittsche sich mal wieder so ausgedacht hat (ein vom Staubsauger angefeuerter Selbstbaugrill im Wohnzimmer zum Rösten von Happy Feed Hähnchen Nuggets in Pinguinform), hat mehr Hand und Fuß als alles in der Christiansen-Runde!



1 Kommentar

  1. Trackback von jovelblog | 02.01.2007 16:08

    Prügeln Zocker oder zocken Prügler?…

    Wenn ein Schüler tendenziell gewalttätig ist und Killerspiele spielt, ist er dann tendenziell gewalttätig, weil er Killerspiele spielt oder ist er tendenziell gewalttätig und spielt deswegen auch gerne Killerspiele? Populisten Polit…