Telefonabzocke in Belize

08.12.2006, 01:39 von jovelstefan

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Im Grunde bin ich schon ein bisschen spät mit diesem Beitrag, aber er soll nicht im Haufen meiner Entwürfe untergehen. Und weil es anscheinend noch mehr Leute gibt, die diesem Drecksladen auf den Leim gegangen sind, schreibe ich das Ganze auch noch mal als Kurzfassung auf englisch, vielleicht sammeln sich ja noch Kommentare mit weiteren Fällen…

Aber von vorne. In unserem Mexiko-Urlaub im Oktober dieses Jahres haben wir ja einen kleinen, dreitägigen Abstecher nach Belize gemacht, genauer auf die kleine Insel Caye Caulker (Details im Reisebericht). Der Aufenthalt fiel auf das Datum des Geburtstags von S. Mama, so dass S. natürlich anrufen wollte, um zu gratulieren. Überall auf der Insel gab es kleine Telefonzellen (naja, solche ohne Dach und Tür, so öffentliche Telefone halt). Nicht nur 2 oder 3, sondern richtig viele. Diese wollten aber nicht mit Münzen gefüttert werden, sondern man musste eine Nummer wählen, wo sich dann ein Sprachcomputer meldete. Dieser nahm die Kreditkartennummer auf und stellte die Verbindung her. So weit, so gut. Beim ersten Versuch sprang in Havixbeck leider nur der AB an und S. hat sofort aufgelegt, war also ca. 3 Sekunden verbunden. Später beim zweiten Versuch konnte S. dann ihrer Ma zum Geburtstag gratulieren, das Gespräch dauerte gute 5 Minuten.

Soweit alles in Ordnung. Bis S. zurück in Deutschland einen Blick in ihre Kreditkartenabrechnung warf: Für das erste „Gespräch“ wurden 34,50 US-$ berechnet, das zweite Gespräch schlug mit 38,49 US-$ zu Buche. Umgerechnet ergab sich so ein Betrag von 72,99 US-$ plus Gebühr für ein Geburtstagstelefonat! Das wirklich Betrügerische daran: Diese Kosten wurden und werden nirgendwo mitgeteilt. Weder auf dem Fernsprecher gab es irgendeinen Preishinweis, noch klärte der Sprachcomputer einen über die anstehenden Kosten auf. Vielleicht etwas gutgläubig gingen wir davon aus, dass ein öffentlicher Fernsprecher billiger (oder zumindest nicht teurer) sein MUSS als ein Telefonat über mein deutsches Handy. Denkste.

Darauf besuchte ich die Webseite des Telekommunikationsanbieters namens Infonaa. Auf der Seite waren wider Erwartung aber auch keine Tarife zu finden, eigentlich war (und ist) auf der Seite gar nichts zu finden außer einer Kontakttelefonnummer und einer Kontakt-Mailadresse. Die Hotlinenummer ist jedoch nicht erreichbar, zur E-Mail komme ich gleich. Bei der Googlesuche nach mehr Informationen stieß ich darauf, dass wir (surprise!) nicht die ersten waren, die mit diesem Laden „schlechte Erfahrungen“ gemacht hatten. In verschiedenen Foren/Blogs/Newsseiten waren ähnliche Geschichten zu finden, nicht nur aus Belize, sondern aus der ganzen Welt (Irland, Mexiko, Jamaica, Deutschland, Griechenland, Costa Rica, Dom. Rep., u.v.a.). Die Firma scheint neben den öffentlichen Fernsprechern auch in Hotels ihr Geschäft zu machen.

Und die Firma fungiert unter weiteren Namen (Schwester-, Tochter, Mutterfirmen…): BBG Communications, G TEL Comunicacion, InfoNW, Call International, Call To International, International Calling Services, International Communications, International Satelite Communication, National Telephone Collection Services (NTCS), Network Opr Services, US Satellite Communications. Alles die gleiche Firma aus Kalifornien.

Darauf kontaktierte S. die Firma per Mail und forderte eine Aufstellung der berechneten Kosten, die sie auch bekam. Die Firma berechnet dreist 34,50 US-$ pauschal für die ersten 5 Minuten, unabhängig davon, wie lange telefoniert wurde. Darin sind 14,55 US-$ enthalten, die grundsätzlich berechnet werden, selbst wenn die Verbindung nicht zu Stande gekommen sein sollte! Jede weitere Minute (ab der fünften) wird mit 3,99 US-$ abgerechnet. Das ganze Prinzip ist betrügerische Berechnung, da die Preise ja auch nirgendwo mitgeteilt werden.

Wir versuchen, das Geld noch zurückzubekommen und gegen den Laden vorzugehen (zum Beispiel durch Meldung an das San Diego Better Business Bureau, bei dem schon etliche Fälle gemeldet wurden), aber große Hoffnung habe ich da eigentlich nicht. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden.



4 Kommentare

  1. ylloh | 21.06.2007 22:57

    Wie ging es aus? Mir ist etwas ähnliches passiert:
    Eine Firma Infonw belastet mich mit 33 euro für ein ca. 5-minütiges Gespräch von Amsterdam Flughafen nach Saarbrücken. Das ist einfach nur sittenwidrig! Sollte das wirklich dieses Gespräch sein, werde ich den Verbraucherschutz einschalten. Auf europäischer Ebene müsste doch was zu machen sein.

  2. jovelstefan | 22.06.2007 15:27

    Ging nicht aus. Die juckt das alles nicht, und man hat außer einer Klage keine Handhabe. Und die lohnt sich nun mal nicht bei diesem Betrag. Auch die Kreditkartenfirma interessiert sich nicht besonders dafür, die haben diesen Laden jetzt zwar irgendwie markiert, aber das Geld ist weg. Aber du hast Recht, auf europäischer Ebene ist da vielleicht mehr zu machen.

  3. guido | 07.08.2007 12:26

    Auch wir sind reingefallen bei Infonaa und zwar auf Bali. Im Hotelzimmer ein vertrauenweckendes Kärtchen. Eine Verbindung kam nur mit Hilfe einer assistentin zu Stande. kein Info über Tarife usw. Zuhause der Schreck : zweimahl 30 Euro für einige Minuten anrufen. Ich denke die Reisenorganisationen (Dertour, Meiers, Neckermann usw. ) sollten die Hotels die sie unter Vertrag haben vorschreiben nicht mit diese Infonaa zu koöperieren.

    Guido aus den Niederlanden.

  4. usagi | 25.08.2009 15:03

    Ich habe letzte Woche am Flughafen Zürich ein Telefonat geführt und musste heute mit Erschrecken feststellen, dass für nicht mal 1 Minute knapp 16 EUR fällig wurden. Wenigstens konnte ich anhand der Telefonnummer in der sonst sehr spärlich ausgefallenen Umsatzbeschreibung meiner Kreditkartenabrechnung rausfinden, dass Infonaa dafür verantwortlich ist. Wirklich eine Frechheit!!! Verstehe nicht, warum Flughäfen mit solchen Firmen kooperieren?!