Erlebnisse als Mitfahrer

13.12.2006, 12:10 von jovelstefan

Eigentlich sollte ich jetzt gerade nicht bloggen, sondern im Auto nach Hamburg sitzen. Dummerweise habe ich heute morgen einen Anruf meines Fahrers bekommen, dass er krank ist und nicht fahren kann. Das war jetzt schon das zweite Mal, dass eine Mitfahrgelegenheit kurzfristig geplatzt ist. Ich habe aber glücklicherweise schon für heute Nachmittag eine neue gefunden und dafür jetzt Zeit, darüber zu schreiben, was ich eigentlich schon vorher mal hätte tun sollen. Das in letzter Zeit regelmäßige Pendeln zwischen Hamburg und Münster hat nämlich schon einige interessante Fahrten mit sich gebracht, die eigenlich schon längst hätten gebloggt werden müssen.

Mitfahrgelegenheiten sind nämlich die ideale Methode interessante und/oder merkwürdige Menschen kennenzulernen. Da war zum Beispiel die Kinderkrankenschwester, die auf der Frühchen-Intensivstation arbeitete und wahnsinnig spannende Geschichten über Frühchen, Moral, Elternpsyche und künstliche Befruchtung zu erzählen hatte. Nebenbei wartete sie auf ihren Einsatz für Ärzte ohne Grenzen irgendwo in Afrika und hatte auch noch erschreckende Bürgerkriegsgeschichten aus dem Dschungel von Kolumbien zu erzählen, wo sie ein halbes Jahr als Entwicklungshelferin gearbeitet hatte.

Dann gab es den frauenfeindlichen Juraabsolventen, der mit der gemieteten S-Klasse auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch nach Hamburg war und mit seiner Meinung, dass Frauen doch schließlich nicht dafür geschaffen wurden, um Geld zu verdienen, sondern nur zum Gebähren und Kinder hüten, relativ alleine stand.

Interessant auch die Fahrt mit dem Leutnant der Luftwaffe, der halb Franzode, halb Deutscher war und als Diplomatensohn seine Kindheit und Jugend unter anderem in Paris, London, Budapest, Peru, Belize, Oman und dem Kongo verbracht hatte. Und der gerne und sehr laut zum Livekonzert vom Freundeskreis mitträllerte.

Auch nett die beiden Jungs aus Lübeck, die eine 4-monatige Freunde-und-Bekannte-besuchen-Tour durch Deutschland gemacht hatten und in dieser Zeit mehr deutsche Städte gesehen haben, als ich bisher in meinem ganzen Leben. Sehr sympathisch war ihre Mitfahr-Anzeige, in der unter „Sonstiges“ aufgeführt war, mit welchen Bands man während der Fahrt zu rechnen habe (die mir glücklicherweise auch sehr gut passten). Das sollten wirklich mehr Leute machen.

Witzig auch die Fahrt zu viert im Lupo von Hamburg nach Münster: Alle 4 studentischen Insassen schrieben zur Zeit an ihrer Abschlußarbeit in Münster und hatten ihre Freundin in Hamburg. Zufälle gibt’s!

Erwähnenswert auch noch der dunkelhäutige, große, schwere Mitfahrer, der mich sehr an John Coffey aus „The Green Mile“ erinnert hat. Nachdem ich mich vorgestellt hatte, sagte er nur mit tiefster Stimme: „Moe.“ Das war alles, was in den gut 3 Stunden von ihm zu hören war. Am Hamburger Hauptbahnhof angekommen, sprintete er wie von der Tarantel gestochen Richtung S-Bahn und ward nie mehr gesehen…
Und was heute auf mich zu kommt, könnte auch spannend werden: Mutter (Lehrerin) und Tochter nehmen mich mit nach Hamburg. Ich könnte mir vorstellen, dass es davon später noch etwas zu berichten gibt.

Wenn man von den zwei krankheitsbedingten Absagen einmal absieht, habe ich aber eigentlich nur positive Erfahrungen machen können. Vor allem hatte ich bisher immer Fahrer, die das Auto beherrschten und nicht umgekehrt. Und vor allem keine Raser. Ich hoffe, das bleibt so.



1 Kommentar

  1. Bernhard | 23.02.2007 01:05

    Schöner Beitrag! Ich habe auch schon viele nette Leute kennengelernt und bin nach anfänglicher Skepsis total begeistert. Tolle Leute, gute Gespräche, man spart was, schützt die Umwelt und die Zeit geht auch noch schneller rum! Die Mitfahrzentrale mitfahrgelegenheit.de rockt einfach!