Weihnachtsmann? Nikolaus? Christkind?

18.12.2006, 15:33 von jovelstefan

Was soll man als Kind eigentlich heutzutage noch glauben? Morgen kommt der Weihnachtsmann? Warten aufs Christkind? Und was ist mit dem Nikolaus? Santa Claus?

Als ich klein war und es noch kein Privatfernsehen und sehr viel weniger Werbung gab, war das noch ziemlich einfach: Am 6. Dezember kam der Nikolaus. Das war ein Bischof und wenn man das Jahr über hübsch brav war, gab es ein kleines Nikolaus-Geschenk. Wenn nicht, dann gab’s ne Rute vom dunklen Knecht Ruprecht. Was ich allerdings nie miterlebt habe. Als ich Kind war, waren ALLE Kinder IMMER brav. Und deswegen kam dann auch am heiligen Abend (zur Erinnerung: 24.12.!) das Christkind und brachte noch Geschenke vorbei.

Irgendwann kam dann aber der Weihnachtsmann dazu. Vor allem im Fernsehen. Es gab Filme mit dem Weihnachtsmann und Werbung mit dem Weihnachtsmann. Zuletzt tauchte der Typ sogar in blau auf. Und seinen Rentierschlitten hatte er immer dabei. Dieser Vogel ist irgendwie ein Konkurrent des Christkinds geworden. Wie kam das? Woran glaubt ein Kind denn heute? Woran sollte es glauben?
Versuchen wir doch mal das Ganze ein wenig aufzudröseln und die Hauptdarsteller mal vorzustellen:

Die Figur des Nikolaus geht zurück auf den heiligen Nikolaus von Myra, seines Zeichens Bischof im 3. Jahrhundert. Sein Festtag am 6. Dezember ist ein kirchlicher Feiertag und es gibt regional begrenzt verschiedene Bräuche (z.B. das Füllen von Schuhen über Nacht). So auch der mir wiederfahrene mit Kollege Knecht Ruprecht, der eine Personifizierung des gezähmten Teufels darstellt.

Das Christkind ist eine Symbolfigur für das weihnachtliche Schenken, interessanterweise eingeführt von den Protestanten, die die katholischen Heiligen nicht verehren wollten, aber eine Art Ersatz für den liebgewonnen schenkenden Nikolaus suchten. Später hat das an Weihnachten als Engelsgestalt heimlich in den Wohnzimmern erscheinende und Geschenke bringende Christkind den Weg auch in die katholischen Bräuche gefunden, während in der evangelischen Kirche der Weihnachtmann immer verbreiteter wurde. So wurde aus dem ursprünglich protestantischen Christkind ein katholisches.

Der Weihnachtsmann entspringt aus der Nikolausfigur. Statt der Bischofsausrüstung mit Bischofsrobe, Stab und Mitra trägt er Zipfelmütze und Filzmantel und ist fett. Er wurde nicht von Coca-Cola erfunden, sondern ist schon vorher in dieser Gestalt aufgetreten, allerdings hat die Vermarktung des Weihnachtsmanns zu einer Verbreitung seiner Bekanntheit und zu einer Vereinheitlichung seiner Darstellung geführt. Vor allem im südlichen Deutschland setzt er sich immer mehr durch.

Was schließen wir also daraus? Ganz einfach: Am 6.12. kommt der Nikolaus mit Knecht Ruprecht und verteilt Ruten. Dann fährt er auf seinem Rentierschlitten zum Nordpol und zieht sich um. Unterdessen zieht ein Engel namens Christkind los, ärgert sich darüber, dass die Protestanten ihm nicht die Tür aufmachen und schmeißt den Katholiken dafür umso mehr Geschenke unter den Baum. Und dann kommt der umgezogene Nikolaus nochmal vorbei (diesmal ohne Ruprecht) und trinkt ne Cola. Aber nicht überall. Das schafft er nämlich logistisch nicht. Mpf. Keine Ahnung, was ich meinen Kindern mal erzählen werde…



3 Kommentare

  1. Joerg | 15.11.2007 09:45

    Super, habe mich köstlich amüsiert. Habe mir genau diese Frage gestellt. So wie Du es beschreibst, habe ich es auch erlebt und werde es an meine Kinder weitergeben. Einen Coca cola trinkenden Weihnachstmann braucht es nicht! Viele Grüße, Jörg Kneppe

  2. Zufallsleserr | 25.12.2009 22:58

    Auch wenn schon älter:
    Wirklich sehr köstlicher Artikel!

  3. Sternchen | 24.11.2013 12:08

    Ja, sehr amüsant der Artikel :) Was hast du deinen Kindern in der Zwischenzeit erzählt ;)?
    Und stell dir vor: in Italien kommt sogar noch eine Hexe (die sogenannte „befana“) dazu, die entweder zu Weihnachten oder zum 6. Januar anstatt der drei Könige Geschenke verteilt ;)!!!