Abgemahnte Brötchen

14.01.2007, 23:48 von jovelstefan

Heiß diskutiert wird derzeit in der Blogosphäre ein weiterer Abmahnungsfall. Kurz zusammengefasst geht es um Folgendes: Der Autor von FINGER.ZEIG.net hatte in einem seiner Blogartikel ein Bild von einem Brötchen eingebunden. Dieses Bild hatte er auf der Rezepte-Sammlungs-Seite Marions Kochbuch gefunden. Die Betreiber der Seite haben das Urheberrecht an den auf ihrer Seite angezeigten Bildern und lassen durch einen Anwalt die anscheinend zahlreichen Urheberrechtsverletzungen abmahnen, so auch den Brötchen-Fall. Wie üblich geht es um Summen, die in den vierstelligen Bereich reichen.

Grundsätzlich sind solche Abmahnungen natürlich zulässig und auch eine sinnvolle Einrichtung. Sie geben dem Rechteinhaber die Möglichkeit, ohne den langen Prozeßweg zu gehen, seine Rechte an Bild, Ton, Text oder was immer er da geschaffen hat zu verteidigen. Dieses Recht ist wichtig und in den meisten Abmahnungsfällen (sieht man einmal von einigen Lächerlichkeiten wie der „Olympia-Abmahnung“ des Saftblog oder die Fanvideos bei YouTube ab) waren die Abmahnungen grundsätzlich auch berechtigt.

Warum also immer diese großen Diskussionen? Die Gemüter erhitzen sich vor allem an den Summen, die da gefordert werden, im aktuellen Fall steht eine Zahl von 6000 Euro im Raum. Diese Summen sind in den meisten Fällen überzogen und lassen den Verdacht aufkommen, dass die Streitwerte vom Abmahner bewusst so hoch angesetzt werden, um die vom Streitwert abhängige Honorarforderung des Anwalts in die Höhe zu treiben. Häufig wird von „Abmahnungsmißbrauch“ oder „Abmahnmaschinen“ gesprochen, verbunden mit der Unterstellung, dass nicht abgemahnt wird, um das Urheberrecht zu verteidigen, sondern ausschließlich, um mit den Abmahnungen Kohle zu scheffeln.

Meine Meinung dazu:

1. Verletzungen des Urheberrechts sind Rechtsverletzungen.
Man darf bei aller Kritik an den Abmahnern nicht vergessen, dass die abgemahnten Personen tatsächlich etwas falsch gemacht haben. Wer Material von anderen Webseiten für die eigenen Zwecke verwendet, ohne vorher die Erlaubnis des Urhebers eingeholt zu haben, handelt gedankenlos und fahrlässig. Und muss dann dafür auch die Konsequenzen tragen. Und es ist keine große Mühe, beim Verfassen eines Blogartikels darauf zu achten, dass man nichts „Geklautes“ einbaut.

ABER: 2. Der Staat muss handeln!
Das, was Abmahnende teilweise als Streitwert ansetzen, ist zum einen meist an den Haaren herbeigezogen und zum anderen hochgradig unmoralisch! Die paar Klicks, die ein abgemahntes Blog hat, verursachen weder einen wirtschaftlichen Schaden noch haben die Blogautoren in der Regel die Möglichkeit, sich gegen die Abmahnungen zu wehren. Denn als Privatpersonen haben sie einfach nicht die finanziellen Mittel dafür. Und die unverhältnismäßigen Honorarnoten der abmahnenden Anwälte sind sowieso schon Schock genug. Wer hat schon einen vierstelligen Betrag auf der hohen Kante liegen?

Also, liebe Politiker da draussen, ihr seid gefragt. Die Justizminiterin hat einen Vorschlag gemacht, über den ihr demnächst abstimmen: Die Deckelung der Abmahnkosten auf 50 Euro für die initiale Abmahnung. Das wäre ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

P.S.: Noch ausführlicher hat sich der Alexander mit dem Thema beschäftigt.



2 Kommentare

  1. Pingback von jovelblog » Geklaute Brötchen aus geklautem Rezept? | 23.01.2007 11:26

    […] Im Abmahnfall Marions Kochbuch tut sich ordentlich was. Nachdem in den letzten Tagen immer mehr Abmahnfälle bekannt wurden, verfestigt sich das Gefühl, dass die liebe Marion und der liebe Folkert irgendwie mit den Abmahnungen Geld verdienen wollen. Das hat natürlich nichts mehr damit zu tun, dass die Urheberrechte verteidigt werden müssten. Mir fallen einige Worte ein, die ich den beiden gerne entgegenschleudern würde. Aber da ja der Anwalt in den Startlöchern sitzt, lasse ich das mal lieber. […]

  2. Pingback von Ich bin vorsichtig geworden, andere dafür (vielleicht) unvorsichtig — Querblog | 02.09.2009 13:30

    […] (Blogger) werden sich an Brötchengate erinnern?! Trotz allem Ärger habe ich relativ früh mit dem Bloggen weitergemacht und mich […]