Zehn Thesen zur Blogosphäre

16.04.2007, 17:03 von jovelstefan

Völlig subjektiv und ohne jeden Beleg entwickle ich aus meinen Beobachtungen bei der re:publica die folgenden Thesen. Wer sich wiedererkennt, darf sich melden. Wer anderer Meinung ist, muss sich melden.

  • Blogger sind Raucher. Beweise: Luftqualität im großen Saal und Bodenbelag im Hof.
  • Blogger haben häufiger warme Oberschenkel.
  • Lebenselexier des Blogger ist Koffein. Einnahmequellen: Kaffee, Club-Mate, Cola.
  • Blogger reden tatsächlich noch lieber, als dass sie schreiben. Am liebsten reden Blogger natürlich darüber, was sie schreiben werden oder geschrieben haben. Kommunikation ist ein Synonym für Blogger.
  • Blogger wundern sich und verziehen das Gesicht, wenn sie gesiezt werden.
  • Leute mit Schlips wundern sich, dass Blogger das Gesicht verziehen, wenn sie von ihnen angesprochen werden.
  • Blogger legen Wert auf eine verschlüsselte Übertragung ihrer Daten im WLAN.
  • Mac-Fraktion vs. Windows-Fraktion: unentschieden. Linux hat verloren.
  • Personennamen sind gestern. URLs/Blognamen sind heute.
  • Blogger nehmen sich nicht Ernst. Aber mal überhaupt nicht.

Was ich noch loswerden wollte: Alle, die über die Schwemme der Selbstbeweihräucherungspostings und angeblicher offizieller Verlautbarungen von der re:publica lästern (zum Beispiel), haben eben nicht mitbekommen, was die re:publica so nett machte. Eben nicht die Vorträge der „A-Lister“, das Händeschüttlen der „Großen“ und „Erfolgreichen“. Sondern die vielen „Kleinen“, die eben auch da waren, der „Long Tail“. Und die sich auf eines konzentrierten: Kennenlernen, kennenlernen, kennenlernen. Die Vorträge waren nur themensetzendes Beiwerk, das Herz der Konferenz (doofes Wort, besser: des Treffens) lag im Innenhof beim Reden, Essen, Trinken, Quatschen, Rumalbern, Lachen, Gucken und Dasein. Noch nie habe ich meine RSS-Feeds in drei Tagen um so viele tolle (und gänzlich unbekannte) Blogs erweitern können. Danke an alle. Sorry für die Buzzwords.



16 Kommentare

  1. Pingback von Nachtrag zur Nachlese der Nachlese - miss sophie | 03.02.2009 13:42

    […] gibt´s den re:publica-Nachschlag in Gestalt von an die Tür gemeißelten ins Netz gehackten Thesen. Ich möchte mich allerdings ausdrücklich vom Titel distanzieren: die re:publica-Teilnehmer sind […]

  1. Kiki | 16.04.2007 18:13

    Hmmm – bin ich nun Blogger(in) oder nicht?
    – ich rauche nicht
    – ich habe dank i Lap keine warmen Oberschenkel
    – Kaffee ist ok, aber kein Muß, Cola mag ich nicht, was ist Club Mate? Mein Durst wird durch Wasser gelöscht.
    – Ich rede nicht gerne und bin privat ziemlich incommunicado; ich blogge lieber vor mich hin
    – Ich hasse es, wenn mich mir völlig unbekannte Leute einfach duzen; allerdings stört es mich nicht in Kommentaren, nur im persönlichen Gespräch.
    – entfällt, da kein Schlipsträger.
    – WLAN ist ein Muß, verschlüsselt erst recht.
    – Mac only, thanks.
    – Ich blogge unter meinem Namen, bislang hat mich noch niemand mit „e13“ angesprochen.

    Ernst? Niemals!

    Puh, wenigstens ein Treffer. :-)

    Ach ja: 10+3 ist (e)13.

  2. Alexander | Zielpublikum | 16.04.2007 18:15

    Wie ich hier schon schrieb: »Klingt komisch, dass ich das gerade anläßlich einer Veranstaltung, die doch gerade von so viel freundlichen Miteinander geprägt war, wie man so liest. Und mir wird ja auch schon Neid und Missgunst vorgeworfen. Aber tatsächlich ist das Thema schon eher im “Metabloggen” anzusiedeln.«

    Von einem „Lästern“ will ich mich also schon ein wenig distanzieren, auch wenn meine Wortwahl mal ein wenig emotionaler war…

  3. .markus | 16.04.2007 22:07

    Die re:publica ist mir herzlich egal, denn darum ging es mir nicht.

    Und überhaupt keine Frage, dass es dort sicher viele nette Menschen und Begegnungen gab…

    Neid ist mir wirklich fremd. Hätte ja auch hingehen können, wenn ich gewollt hätte.

  4. jovelstefan | 17.04.2007 09:18

    Alex, Markus, ihr sprecht beide von Neid, was ich nicht geschrieben habe. Lästern fand ich aber recht passend. Ich kann auch auf gewisse Weise ein ganz kleines bisschen verstehen, dass man als Nicht-Dagewesener ganz schön genervt war in der der letzten Woche. Letztendlich ist es doch aber nur logisch und auch sinnvoll, was da passierte. Blogger schreiben nun mal über Themen, die sie gerade interessierten und die re:publica war nun mal (mit ihren Themen) ein Thema, das ziemlich viele gleichzeitig interessierte und beschäftigte.

  5. jovelstefan | 17.04.2007 09:21

    @Kiki: Ein Treffer reicht im Zweifel auch! ;)

  6. Alexander | Zielpublikum | 17.04.2007 10:57

    „Neid“ kam aus einer anderen Ecke. :-)

  7. Thomas | 17.04.2007 13:12

    Ich komme auf fünf der Punkte, die auf mich passen. Aber als Linuxer jetzt zu den „Verlieren“ zu gehören, passt mir nicht. ;)

  8. jovelstefan | 17.04.2007 13:22

    Alex, eben nicht aus meiner. ;)

    Thomas, man muss auch mal akzeptieren lernen. ;)

  9. Jan.Profan | 17.04.2007 15:09

    Ich scheitere an der Rechenaufgabe, ’ne.

    PS: .markus, wir fahren nächstes Jahr hin, wo zur Höllen sollen wir uns sonst treffen?

    BTW: Bier Bong Song.

    Orte der Begegnung selbst schaffen ist durchaus schwieriger, als die Vorhandenen zu benutzen.

  10. Julie Paradise | 17.04.2007 16:23

    1 2=3 – na das war ja einfach!

    Nee, jetzt mal im Ernst: Es war schön, von den neidvoll-kritischen Kommentaren habe ich zum Glück erst im Nachhinein erfahren, auch ich habe nette Menschen kennengelernt (nur einmal Zwangssocialising ist voll in die Hose gegangen, naja, muß halt auch mal was doof sein), und bin sehr froh, dabeigewesen zu sein.
    Danke nochmal für Deine nette Zusammenfassung der Zusammenfassungen.

  11. Dr. Dean | 18.04.2007 15:57

    Ans Paradies: Hey, auch kritische Neider sind nette Menschen!
    An Jovelstefan: Deinen Kommentar:

    Das Herz der Konferenz (…) lag im Innenhof beim Reden, Essen, Trinken, Quatschen, Rumalbern, Lachen, Gucken und Dasein.

    fand ich richtig klasse. Sowas macht Appetit. Ich schätze mal, zum Hamburger Barcamp (hint) werde ich kommen. Äh: Sagen wir mal so: Dein Eintrag – und die damit ausgelösten Erinnerungen an gelungene Treffen haben erheblich dazu beigetragen, dass ich beim Barcamp Hamburg gerade zugesagt habe.

  12. .markus | 18.04.2007 16:16

    @Jan: Mal schauen. ;) „Den“ Kasten Bier kann man ja auch noch irgendwo anders trinken, wobei die Vorstellung schon reizvoll wäre uns beide auf die re:publica loszulassen ;)

  13. jovelstefan | 18.04.2007 16:25

    @Dean: Ich werde leider nur am Sonntag beim Barcamp in Hamburg sein, aber immerhin… wird sicher auch wieder lustig.

  14. plasmaoxyd | 23.04.2007 19:35

    Ich denke, viele regen sich darüber auf, weil sich eine kleine Menge deutscher Blogger im realen Leben in einer selbstauserkorenen Hauptstadt trifft und meint, die deutsche Blog-Öffentlichkeit repräsentieren zu können.
    Als Philanthrop hätte es mir auf dem Treffen sicher auch gefallen, aber ich kann diese Leute verstehen.

  15. jovelstefan | 24.04.2007 08:41

    Das verstehe ich eben nicht. Niemand, wirklich niemand in Berlin machte den Eindruck oder behauptete sogar, dass die re:publica-Besucher irgendetwas oder irgendwen repräsentieren würden oder irgendwelche Entscheidungen treffen würden. Das kam mMn auch höchstens in den Berichten der klassischen Medien so rüber.

    „Philanthropie“ musste ich übrigens nachschlagen :(