Bürgerschaftswahl Hamburg – Die Prognose!

24.02.2008, 10:47 von jovelstefan

Dann ist es heute also soweit, endlich werden die gelben, grünen, blauen und pinken Zettelchen mit circa 12 Kreuzchen versehen, damit Hamburg in eine rosige Zukunft geführt werden kann. Sowohl die Bürgerschaft, als auch die Bezirksversammlungen bekommen eine neue Zusammensetzung. Meine Kreuzchen sind gemacht und liegen schon im Briefwahlumschlag im Bezirksamt Altona. Daher ganz neutral und unabhängig, als kleine Wahlhilfe für die letzten Unentschlossenen, hier ein kurzer Überblick über den jetzt vergangenen Wahlkampf.

Insgesamt muss man feststellen, dass es wohl selten einen so inhaltsleeren Wahlkampf auf deutschem Wahlboden gegeben hat. „Wählt mich, weil das ist besser!“, war fast noch die konkreteste Form der Themenplatzierung auf den exzessiv über die Stadt genagelten Plakate und Plakätchen. Die Parteien im Einzelnen:

CDU: „Olé, olé, Ole!“ Die Meister der Inhaltsleere. Ein paar zugegeben recht professionelle „Ole von Beust-Fotos“ wurden geschossen und über die Stadt verteilt. Ole vermeidet es, sich überhaupt zu irgendwelchen Themen zu äußern, die auch nur annähernd kontrovers diskutiert werden könnten. Erfolge werden hingegen ausgiebig zelebriert und weltmännisch breit getreten. Der Barack Obama der Hansestadt, wenn man denn so will. Unwählbar hat sich die CDU mit der Missachtung der Volksbegehren und -entscheide gemacht. Das „D“ kann man also streichen, die Partei ist nun als „CU“ unterwegs.

SPD: Auch hier nicht viel eigenes. Man schießt sich auf die Fehler der CDU in der vergangenen Legislaturperiode ein und sagt, dass man das alles besser macht. Gerechter. Und mehr Arbeit. Der Kandidat, ein gewisser Michael Naumann, hat kein Ole-Charisma und witzelt gerne herum, wirkt dabei aber so unecht und aufgesetzt, dass man sich fragt, ob dieses Person knapp 2 Millionen Menschen vertreten kann. Vielleicht kann er sogar, man merkt es halt nicht. Abgesehen davon hätte er die Plakatfotos nicht von seiner Frau schießen sollen, das gibt Punktabzug, aber derbe.

FDP: Ach ja, die FDP, was soll man da sagen? Das ist alles ein ganz schlimmes Drama mit der FDP in Hamburg, hier, wo ja eigentlich ein Haufen Leute rumgeschäfteln, die eigentlich in die klassische Zielgruppe fallen würden. Aber da kommt mal gar nischt, stattdessen nötigt man Sky DuMont zu einem misslungenen Viralvideo-Desaster, immerhin war die Aktion gut für Schabernack:

eingebunden mit Embedded Video

YouTube Direkt-Gaylord

Immerhin kenne ich jetzt den Namen des Spitzenkandidaten. Ansonsten ritt sich die FDP damit rein, dass sie so hochwichtige Themen auf die Agenda hob: „Keine Diskriminierung von Rauchern!“ Oder: „Schwarz-Grün verhindern!“. Oder: „Hunde von der Leine!“ Eine Begründung für diese lustigen Forderungen blieb sie schuldig. Gott, wirf Hirn.

Grüne: Die hätten es fast schon leicht haben können. Die beiden großen Parteien produzieren nur heiße Luft, die FDP schießt sich selbst in das Knie. Da hätte man ganz wunderbar Themen platzieren und Kompetenz beweisen können in Bereichen abseits von Kohlekraftwerksneubaudiskussionen. Aber irgendwie hat man das Gefühl, dass die Grünen sich wieder in ihre Umweltnische zurückziehen und die anderen Themen lieber der Konkurrenz links außen überlassen…

PDS Linke: Genau die meine ich. Dankbar, sehr dankbar müssen die Linken sein. So leicht hatten sie es im Westen noch nie, zweistellig zu punkten. Die klassischen Sozialthemen kommen gerade gut an und die Menschen sind müde ob des Blabla der vier alten Hasen. Da ist es auch egal, wenn irgendwelche Extrem-Linken die Mauer und die Stasi gar nicht so scheiße finden. Eigentlich gut, dass es die Linken gibt, sonst würde die wählende Gruppe vielleicht schnell nach ganz rechts außen tendieren. Auch wenn ich mal gar nicht mit den Inhalten einverstanden bin, hat die Linke trotz fehlender Köpfe mit am meisten Profil gezeigt.

Und sonst: Naja, Kuschi wuselt mit seiner Propaganda am haarlosen Rand der Bevölkerung herum, teilt sich dabei die 300 Stimmen mit den anderen Nazierben. Die ödp ist auffallend aktiv und präsent, so eine Art grüne Revitalisierung. Find ich ganz sympathisch. Und dann ist da noch die Piratenpartei, die sich leider einen bescheuerten Namen ausgesucht hat, dafür aber ein ganz klares Parteiprofil hat und eigentlich am glaubwürdigsten rüberkommt. Eine Rolle wird von dem Rest auf der Liste aber ja eh keiner spielen.

Ach ja, was die PR-Fuzzis den Spitzenkandidaten auf den Weg gegeben haben, kann man beim ZDF sehen und hören.

Die große Ergebnisvorhersage

Völlig unfundiert und total subjektiv, hier die offizielle Wahlergebnisprognose für die Hamburger Bürgerschaftswahl, gewonnen aus Gefühl und spontaner Schätzung, relevant wie ein Kropf:

CDU: 36%
SPD: 34%
Grüne: 12%
FDP: 4%
Linke: 10%
Andere: 4%

Damit bekommt rot-grün die ganz knappe Mehrheit mit einem Sitz in der Bürgerschaft, die CDU wird sich erstmal einen Monat die Wunden lecken, die Linke feiert einen weiteren Erfolg, ärgert sich aber, nicht wie in Hessen das Zünglein an der Waage zu sein, weil die FDP untergegangen ist, was aber sonst keinen juckt.

Wurscht, liebe Leute, wen ihr nun wählt, hauptsache ihr geht hin. Wollte ich dann auch noch mal gesagt haben.



6 Kommentare

  1. Trackback von JurBlog.de | 24.02.2008 13:30

    Umfrage: Sollten sich Türken allein aus wahltaktischen Gründen einbürgern lassen?…

    In Hamburg stehen Wahlen an. Die Wahlergebnisse sind nicht nur richtungsweisend für die Parteien. Unmittelbar betroffen werden auch Ausländer und insbesondere Türken sein. Schließlich hat jeder Partei, sei es die CDU oder auch die S…

  2. Pingback von Anonymous | 27.01.2011 13:12

    […] […]

  1. Nils | 24.02.2008 11:33

    Och ich kann mit dem einen Sitz Plus leben. Wehe, das tritt so nicht ein! ;-)

  2. jovelstefan | 24.02.2008 12:12

    Ich antworte mal so kurz nach 18 Uhr… ;)

  3. Nils | 24.02.2008 14:14

    Übrigens: Schöne Idee mit dem „CU“. Hoffe, wir können das heute Abend in eine ganz bestimmte Richtung sagen und dem Zug gen Sylt hinterherwinken. ‚C U, but hopefully not so soon.‘ :-D

  4. Susanne Mertens | 20.02.2011 15:52

    Interessant, wie die Gunst der bevölkerung damals noch verteilt war. ;-) Dieses Mal gibts wohl einen Erdrutsch-Sieg für die SPD, steht zumindest hier: http://www.newscharts.de/2011/.....prognosen/

    lg, Susi