Dezember – 2009 – jovelblog

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kleine Weihnachtsgeschichte

09.12.2009, 08:24 von jovelstefan | 3 Kommentare

Es liegt Schnee. Nicht so ein matschiger, nasser Schnee, der seine Farbe von weiß auf nichts wechselt, wenn man auf ihn drauf tritt. So richtiger Schnee, flockig und knarzend. Schnee, der nicht zusammenhält, wenn man einen Ball daraus machen will. Der dann wieder auseinanderrieselt, so als wolle man einen Ball aus einem Haufen Puderzucker machen. Geht nicht. Gibt’s doch.

Markus ist kalt. Der Schnee ist dann ja wohl richtiger Schnee, weil es so kalt ist. Da pappt nix. Trockener Schnee, paradox, wo doch Schnee aus Wasser ist. Markus schüttelt sich und schlägt seine Kapuze über den Kopf. Dieser bescheuerte Job. Bei der Eiseskälte sollte man zu Hause sitzen und Glühwein trinken. Oder noch besser Lumumba. Mit doppeltem Schuss. Ein gutes Buch in die Hand nehmen. Den Kamin anfeuern. Plätzchen und/oder Marzipankartoffeln essen. Aber keinen Krimi, das passt nicht zum Ambiente. Wobei der auch noch besser wäre als Arbeiten zu gehen.

Markus guckt auf die Uhr und schaut sich um. Seine Kollegen sind zu spät dran. Scheiße, denkt Markus, wenn die nicht gleich da sind, friere ich hier an. Er greift in die Tasche und zieht ein rot-weißes Dings heraus, knibbelt mit zittrigen Händen die Alumuniumfolie ab und beißt dem Weihnachtsmann in den Kopf. Guckt den Kopflosen an. Grinst. Der Weihnachtsmann ist ziemlich hohl, denkt er und das Grinsen wird zu einem Lachen. Hohoho!

Markus kratzt sich am Kinn, der Bart juckt. Eigentlich wollte er keinen Bart mehr, hatte sich letzten Monat rasiert. Aber das gab Mecker von seiner Frau. Noch ein Biss in den Nikolaus. Sie mochte den Bart. Deswegen hat er ihn wieder wachsen lassen. „Dich erkennt doch keiner mehr!“ hat sie gesagt. „Ich auch nicht.“ Er hatte seit Jahren einen Bart, vielleicht sogar länger. Aber was soll man machen. Wenn die Frau sagt, dass sie den Bart zurück will, dann lässt man ihn wieder wachsen. Macht man halt so. Und jetzt kratzt er unangenehm.

Markus wird ungeduldig, er hasst warten. Er will seinen Job hinter sich bringen und schnell wieder nach Hause. Kamin. Buch. Lumumba. Plätzchen. Er beißt dem Weihnachtsmann den Sack ab und schaut die Straße hinunter. Keine Menschenseele auf der Straße. Auch keine Menschenkörper. Die Straßenlaternen sind auch mit Schnee bedeckt. Wie alles andere. Markus überlegt, ob er sich doch noch krank meldet. Aber das gäbe dann bestimmt auch Mecker von seiner Frau. Die meckert oft.

Da hinten biegt ein Wagen um die Ecke, na endlich. Dann kann es ja losgehen. Markus stopft den halben Weihnachtsmann in die Mülltonne und geht nach vorn an die Straße, seine Kollegen haben ihn jetzt gesehen und lachen ihn an, als sie vor ihm anhalten. Markus grüßt und tätschelt den Kollegen den Kopf. Rudolph, sein Lieblingskollege, hat vergessen, sein Glöckchen umzuhängen. „Scheißegal, los geht’s“, sagt Markus, steigt in den Schlitten und fliegt davon, um seinen Job zu machen.

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