Vertretung bosch – jovelblog

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Vatertagsstöckchen

17.05.2007, 14:07 von bosch | 6 Kommentare

Auch am Vatertag wollen wir uns an die gute alte Tradition des Stöckchens erinnern. Daher hier gleich ein paar geeignete Fragen:

1. Wie verlief Deine erste Begegnung mit einem Bollerwagen?

Als Kind bin ich mal von einem Bollerwagen gefallen. Meine Mutter zog diesen so rasant, dass ich mir eine kleine Beule am Kopf zuzog. Traumatische Erinnerungen hat dieses Erlebnis aber nicht bei mir hinterlassen.

2. Hast Du als Kind Deinen Vater zum Vatertag beschenkt?

Mhh, ganz klar, die Mutter bekommt zum Muttertag Blumen, ein selbstgemaltes Bild und ein Kästchen Pralinen. Aber der Vatertag ist ja eigentlich nicht so eine Präsentveranstaltung. Schließlich sind die meisten Väter an diesem Tage auf großer Tour und können die kleinen Aufmerksamkeiten des Nachwuchses gar nicht entgegennehmen.

3. Wie hat Dein Vater seinen Ehrentag gefeiert?

Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht daran erinnern, dass mein Vater jemals mit einem Bollerwagen um die Häuser gezogen ist. Vielleicht ganz früh in meiner allerfrühesten Kindheit. Aber auch das kann ich mir kaum vorstellen. Später wurde der freie Feiertag eher für gemeinsame Familienausflüge genutzt. Wenn das Wetter schön war, sind wir ins Freibad gefahren und haben Apfelsaftschorle getrunken.

4. Wie feierst Du den Vatertag?

Gar nicht. Ich genieße den Feiertag, obwohl ich nichts zu feiern habe.

5. Welche Getränke gehören Deiner Meinung nach zur Bollerwagenausstattung?

Für alleinziehende Väter gehört ganz klar eine Kiste gutes Astra auf den Bollerwagen. Von mir aus auch zwei Kisten. Aber wie gesagt, ich feiere ja (noch) nicht.

6. Wie sähe für Dich der perfekte alternative Vatertag aus?

Ein Ausflug aufs Land und dazu ein Glas fettarme H-Milch.
Dieses Stöckchen werfe ich weiter an die folgenden (potentiellen) Väter cheinema, soloblogger, Affekopf, Schampus mit Lachsfisch, Freetagger und MC Winkel.

Obacht KleinKursivgedrucktes: Dies ist ein Gastbeitrag von bosch im Rahmen der Urlaubsvertretung.

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Was ist eigentlich Masematte?

13.05.2007, 18:44 von bosch | 5 Kommentare

Jovel, jovel, jovel. Ich lese hier immer nur jovel. Und manchmal auch schofel, Hegel, Bunke und andere komische Wörter. Ich weiß nicht, was soll das bedeuten. Da der Hausherr es meiner Erkenntnis nach bislang versäumt hat, dem Nichtmünsteraner in diesen speziellen Code einzuweihen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, dieses hier kurz nachzuholen.

Der Münsteraner fährt gewöhnlich mit der Leeze zur Maloche, wenn er spät dran ist, tut er dies sogar tacko. Dort angekommen, schickert er erstmal einen Schokelamai und beißt in die Kille. Wer dies allerdings den ganzen Tag tut, hat oft wenig zu schmergeln. Man gilt dann als Laumalocher und bekommt Rochus mit seinem Obermacker.

Alle anderen fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Wer spät dran ist, tut dies sogar schnell. Dort angekommen, trinkt man erstmal einen Kaffee und beißt in sein Butterbrot. Wer dies allerdings den ganzen Tag tut, hat oft wenig zu lachen. Man gilt dann als schlechter Arbeiter und bekommt Ärger mit seinem Chef.

Was dort oben zu lesen war, ist die Masematte, ein regionaler westfälischer Dialekt des Rotwelschen, der seit 1870 quellenmäßig belegt ist und in einigen Elendsvierteln von Münster durch Sprachkontakt einheimischer Bevölkerung mit zugezogenen Nichtseßhaften, Hausierern und ambulanten Gewerbetreibenden entstand. Die Bezeichnung Masematte leitet sich aus dem Jiddischen masso umattan oder masa ‚umatán her, das „Geschäft“, „Handel“ bedeutet. Im Rotwelschen hat masematten auch die Bedeutung „Einbruch, Einbruchdiebstahl“.

Die Zerstörung der geschlossenen Viertel, in denen Masematte gesprochen wurde, und die Vernichtung und Verschleppung der Juden, der Sinti und Roma führten während der Zeit des Nationalsozialismus und des II. Weltkriegs dazu, dass Masematte ihre soziale und örtlich gebundene Grundlage verlor. Bis in die 1960er Jahre hielt sie sich noch in begrenzten Kreisen, etwa unter Bauarbeitern, als lebendige, gesprochene Sprache. Seit dem Ende des II. Weltkriegs veränderte die Sprache ihren Charakter auch insofern, als sie eine „Folklorisierung“ durchmachte. Seither gilt es in Teilen der Münsteraner Bevölkerung als „chic“, sich gelegentlich einiger überlieferter Masematte-Ausdrücke zu bedienen. Die Wörter jovel ( = „gut“, „prima“), schofel ( = „mies“, „schlecht“) und leeze ( = „Fahrrad“) wurden zum umgangssprachlichen Allgemeingut, an dem sich die Münsteraner überall in der Welt erkennen.

Jetzt wissen wir auch, warum dieses Blog und sein Betreiber jovel und nicht schofel sind.

Quellen und weiterführende Links:

Obacht KleinKursivgedrucktes: Dies ist ein Gastbeitrag von bosch im Rahmen der Urlaubsvertretung.

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Urlaubsvertretung mit Hochkultur und so …

12.05.2007, 16:09 von bosch | 1 Kommentar

Obacht KleinKursivgedrucktes: Dies ist ein Gastbeitrag von bosch im Rahmen der Urlaubsvertretung.

Der Chef ist verreist und nicht nur Sven, sondern auch ich habe einen Schlüssel für die heiligen Hallen dieses Onlinejournals erhalten, um es gelegentlich mit mehr oder weniger sonnigen Inhalten zu füllen. Völlig überraschend hat mich dieses Ehrenamt, welches man bekanntlicherweise nicht ablehnen darf, getroffen und daher gibt es auch hierfür kein in sich geschlossenes Konzept. Wie bereits erwähnt wurde, hat man mir den Teil der Hochkultur zugedacht. Ich werde in den nächsten Tagen versuchen, mich diesem Anspruch in kleinen Schritten zu nähern.

Um den Einstieg etwas zu erleichtern, möchte ich mit einem populären und halbwegs passenden Gedicht von Joachim Ringelnatz beginnen. Passend, da der Hausherr dieses Weblogs sich derzeit bekanntlich auf Reisen befindet. Aber eben auch nur halbwegs, da Stefan hoffentlich, im Gegensatz zu den Protagonisten des folgenden lyrischen Meisterwerks, über Altona hinaus gekommen ist.

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

So will man oft und kann doch nicht
Und leistet dann recht gern Verzicht.

(Joachim Ringelnatz)

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